Warum Montagsschließung des Wiesensees? Bürgermeister Jürgen Kirchner nimmt Stellung

Aktuell wird in den Sozialen Medien die montägliche Schließung des Wiesensees außerhalb der Ferien bei hochsommerlichen Temperaturen diskutiert. Daher möchten wir als Betreiber des Wiesensees dazu Stellung nehmen und die Hintergründe dazu erläutern – ja, es ist umfangreich, aber das Thema ist auch komplex!
Beträchtliche Investitionen
Im Gegensatz zu vielen Kommunen, die ihre Schwimmbäder schließen, halten wir den Wiesensee für unsere Bürgerinnen und Bürger geöffnet. Gerade haben wir beträchtliche Summen in das Gewöhnungsbecken für den Austausch der Wärmepumpe investiert. In der nächsten Gemeinderatssitzung soll zudem ein Auftrag für die Erneuerung von Filtern für das Becken vergeben werden, und wir werden zudem einen Förderantrag stellen, um darüberhinausgehende notwendige Sanierungsarbeiten am Becken angehen zu können.
Breites gastronomisches Angebot
Das gastronomische Angebot, das wir im Übrigen sehr schätzen, haben wir in den letzten Jahren überhaupt erst ermöglicht und neu strukturiert, so dass sich die Angebote am See ergänzen und ein breites gastronomisches Angebot vorgehalten wird. Die Rahmenbedingungen am See waren allen Gastronomen vor dem Abschluss der Verträge bekannt!
Wenn Wünsche der Gastronomen seitens der Verwaltung abgelehnt wurden, wurde diese Ablehnung begründet, z. B. mit fehlenden Sicherheitskonzepten oder auch mit dem Hinweis auf den Schutz der Anwohner am See.
Wiesensee ist Saisonbetrieb
Auch die von Ihnen genannten „starren Strukturen“ haben einen ernsten Hintergrund. Im Gegensatz zu Heddesheim haben wir in Hemsbach keinen Hallenbadbetrieb in den Wintermonaten, daher sind wir gerade für die Fachangestellten für Bäderbetrieb unattraktiv. Denn in einem Betrieb mit Hallenbad arbeiten die Beschäftigten übers Jahr hinweg in der Regel fünf Tage mit normalen 8-Stunden-Schichten. Unser Wiesensee ist hingegen ein Saisonbetrieb, in dem die Mitarbeitenden während der Saison im Rahmen der maximal zulässigen Arbeitszeit tätig sind.
Die Stadt Weinheim hat im Gegensatz zu unserem Freibad kein Schwimmbecken, so dass dort der Fachangestellte für Bäderbetriebe zur Betreuung der Technik nicht zwingend vorgehalten werden muss.
Fachpersonal schwierig zu finden
Seit Jahren schreiben wir die Stelle eines Fachangestellten für Bäderbetrieb aus, können diese aber nicht besetzen. Dies hat zur Folge, dass wir Externe beschäftigen, um den Badebetrieb überhaupt gewährleisten zu können. Damit auch der Arbeitsschutz (Arbeitszeit) für die Angestellten gewährleistet werden kann, war es unumgänglich, das Freibad für einen Tag zu schließen, da die Mitarbeitenden mit der beschriebenen Arbeitszeit die maximal zulässigen Regelungen ausschöpfen!
In den Ferien geöffnet
Der Gemeinderatsbeschluss sieht vor, dass in den Ferien das Bad geöffnet ist. Dies planen wir entsprechend ein und haben für diese Zeit Verträge mit Rettungsschwimmern geschlossen und zudem externes Personal zugebucht.
Wir müssen am Wiesensee während der Öffnungszeit permanent folgendes Personal vorhalten: 2 Rettungsschwimmer/innen und 1 Fachangestellte/n für Bäderbetriebe.
Personalbedarf
Unter Berücksichtigung der Vor- und Nachbereitung sowie zur Abdeckung der gesetzlich vorgeschriebenen Pausen ergibt dies folgenden Personalbedarf, verteilt auf vier Personen:
- 10 Stunden Fachangestellte/r
- 10 Stunden Rettungsschwimmer/ in
- 10 Stunden Rettungsschwimmer/in
- 6,5 Stunden Rettungsschwimmer/in (Pausenabdeckung)
Kurzfristige Öffnungen nicht möglich
Das für die 7-Tage-Woche erforderliche Zusatzpersonal bekommen wir mit einem kurzen Vorlauf von nur ein bis zwei Wochen in diesem Umfang nicht von einem Dienstleister. Wir sind schon bei der Kompensation von kurzfristigen Ausfällen in der 6-Tage-Woche auf den Dienstleister angewiesen und froh, eine überlassene Person einsetzen zu können, um den Betrieb aufrecht halten zu können. Denn bei gutem Wetter ist das Personal des Dienstleisters in allen Bädern stark nachgefragt.
Kurzfristige Öffnungen an einem Montag und somit die Umsetzung einer 7-Tage-Woche sind auch aus diesem Grund leider nicht möglich.
Schutz der Badegäste muss gewährleistet sein
Es dürfte klar sein, dass wir das Freibad nur öffnen können, wenn der Schutz der Besucherinnen und Besucher gewährleistet ist. Dies ist nur mit dem entsprechenden Aufsichtspersonal möglich. Ein gegenteiliges Handeln wäre verantwortungslos! Keiner möchte sich bei einem Notfall vorwerfen lassen, grob fahrlässig gehandelt zu haben.
Abschließend dürfen alle Hemsbacherinnen und Hemsbacher und alle Wiesensee-Badegäste versichert sein, dass wir den Wiesensee genau so schätzen wie Sie, deshalb leisten wir ihn uns – im Sinne unserer Bürgerinnen und Bürger – auch trotz eines jährlichen Defizits von um die 250.000 €.
Auch wenn es ärgerlich ist, bei hochsommerlichen Temperaturen vor verschlossenen Toren zu stehen und nicht baden gehen zu können, hoffe ich doch, dass Sie die Gründe dafür jetzt besser nachvollziehen können.
Jürgen Kirchner
Bürgermeister der Stadt Hemsbach