30 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Hemsbach und Mücheln: „Die Partnerschaft birgt noch großes Potenzial“

Geschrieben von Heike Pressler am . Veröffentlicht in Aktuelles

Hemsbach/Mücheln. Das Jahr 2020 ist für Hemsbach ein Jahr bedeutender Jubiläen. So wären nicht nur 1225 Jahre urkundliche Ersterwähnung und 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Hemsbach zu feiern gewesen, sondern auch 30 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Hemsbach und Mücheln. Wie gesagt: wären. Die grassierende Corona-Pandemie hat nun auch dieses Vorhaben zunichtegemacht.

Zum Feiern hätten die beiden Städte wahrlich Grund gehabt, ist die Städtepartnerschaft zwischen Hemsbach und Mücheln doch über all die Jahre zu einer tiefen Freundschaft geworden. Geplant war, die 30-jährige Städtepartnerschaft im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten der Freiwilligen Feuerwehr zu würdigen, was auch gut gepasst hätte, da die Hemsbacher Floriansjünger sehr enge Kontakte zu den Kameraden in Mücheln pflegen.

Die Hoffnung, dass es klappt, bestand bis zuletzt. Doch die derzeit ansteigenden Infektionszahlen haben Hemsbachs Bürgermeister Jürgen Kirchner und seinen Müchelner Amtskollegen Andreas Marggraf dazu veranlasst, abzusagen. „Ein schöner Anlass hätte uns in diesem Jahr wieder zusammenführen sollen, nämlich die Feier zum 30-jährigen Jubiläum unserer Städtepartnerschaft. Aber wir tragen eine große Verantwortung und unser aller Gesundheit ist unser höchstes Gut. Das möchten wir auf keinen Fall aufs Spiel setzen“, erklären die beiden Rathauschefs.

Partnerschaft seit 3. Oktober 1990

Die von den Bürgermeistern Volker Pauli für Hemsbach und Udo Wurzel für Mücheln unterzeichnete Städtepartnerschaft zwischen Hemsbach und Mücheln im Geiseltal wurde exakt am 3. Oktober 1990 mit einer Baumpflanzung in Mücheln besiegelt. Im Urkundentext heißt es unter anderem: „Möge dieser Baum die nachfolgenden Generationen an diesen denkwürdigen Tag erinnern. Sein Wachsen und Gedeihen soll die historische friedliche Entwicklung des wiedervereinten Deutschlands bezeugen.“

Dass die Partnerschaft zwischen den beiden deutschen Kleinstädten ihren ganz eigenen Charakter entwickelt hat, ist unbestritten. Schon die erste Aufnahme freundschaftlicher Verbindungen mit der damals rund 8.000 Einwohner zählenden Stadt 30 Kilometer südlich von Halle/Saale ging nicht von administrativer Ebene, sondern von einer privaten Initiative aus. Doch so einfach war es nicht, Verbindungen zwischen Ost und West zu schaffen. Zwar was das Ende des „real existierenden Sozialismus“ absehbar, und bereits wenige Monate nach Öffnung der Mauer wurden erste Kontakte aufgenommen, allerdings existierte die DDR in jenem Frühjahr 1990 noch.

Doch die politischen Rahmenbedingungen änderten sich alsbald, das gemeinsam gepflanzte Bäumchen wuchs und gedieh – so, wie sich auch die Partnerschaft allmählich mit Leben füllte.

Kein Weg zu weit

Dafür sorgten ganz besonders die „Partnerschaftsfahrten“, der rege Austausch und die vielen gegenseitigen Besuche auf verschiedensten Ebenen. Mitglieder der Feuerwehren und der Verwaltungen sind regelmäßig zu Gast in der jeweiligen Partnerstadt. So sind vor allem das Müchelner Stadtfest Anfang Juli und das Kartoffelfest am 3. Oktober fixe Termine für die Hemsbacher. Radsport- und Laufbegeisterte beider Städte haben die Strecke, einfach immerhin 350 Kilometer, mit dem Fahrrad und zu Fuß bereits mehrfach zurückgelegt – einer guten gegenseitigen Partnerschaft ist eben kein Weg zu weit. Last but not least pflegt der „Freundeskreis Mücheln“ seit vielen Jahren intensive Beziehungen zur Partnerstadt.

Legendär und unvergessen ist die Fahrt Arthur Brauchs mit seinem Einachsschlepper, dem „Hako“, plus Anhänger von Hemsbach nach Mücheln anlässlich des Müchelner Stadtfestes 2005. Der 2018 überraschend verstorbene Freie-Wähler-Stadtrat hat wie wohl kaum ein anderer dazu beigetragen, die Bande zwischen den beiden Städten zu festigen.

Solide freundschaftliche Basis

Heute steht die Partnerschaft zwischen Hemsbach und Mücheln auf einer soliden und freundschaftlichen Basis. Viele Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Initiativen beider Städte verbindet ein vielfältiges Netz von Beziehungen – das aufrechterhalten und weitergeknüpft wird. Beide Bürgermeister fördern und unterstützen diesen Austausch, und es lässt sich mit Fug und Recht behaupten, dass es genau solche Partnerschaften sind, die ein kleines Stück dazu beitragen können, dass – im Sinne Willy Brandts – zusammenwächst, was zusammengehört.

30 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Hemsbach und Mücheln haben allen Beteiligten viel gegeben. Und die Partnerschaft hat, davon sind beide Bürgermeister überzeugt, eine ebenso erfolgreiche Zukunft vor sich. Die „freundschaftliche und partnerschaftliche Beziehung zwischen beiden Städten zu pflegen“ und „alles in unserer Kraft Stehende zu tun, um die Freundschaft und partnerschaftliche Zusammenarbeit dauerhaft zu gestalten“ – dazu haben sich die beiden Bürgermeister schon am 19. Juni 2015 – zum 25-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft – kraft Urkunde „feierlich verpflichtet“. Zu diesem „Silbernen“ wurde in Hemsbach übrigens auch die von Uli Lamp gestaltete Skulptur „Im Gespräch“ in der Müchelner Straße eingeweiht. Sie zeigt zwei sich gegenübersitzende, ins Gespräch vertiefte Menschen als Symbol für den Gedankenaustausch über Grenzen hinweg.

Gleiche Themen

Neben der Pflege und dem Ausbau der persönlichen Beziehungen, die sich in den vergangenen 30 Jahren entwickelt haben, stehen in diesen Tagen auch gemeinsame Aufgaben im Vordergrund. Stadtentwicklung und Infrastruktur, Kultur, Tourismus, Arbeitsmarkt, Familienfreundlichkeit und Umweltschutz – das sind Themen, die Hemsbach und Mücheln gleichermaßen bewegen. „Das sind Bereiche, in denen wir auch künftig einen intensiven Austausch pflegen können und werden“, so die beiden Stadtoberhäupter.

Und so ist natürlich auch ein nächstes Treffen nicht aufgehoben, sondern aufgeschoben: Sobald es die Lage zulasse, werde sich bestimmt ein Rahmen finden, um das Jubiläum nachzufeiern, versichert Hemsbachs Rathauschef Kirchner und schmunzelt. „Sehen wir’s positiv: Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude, und die darf noch eine Zeit lang anhalten.“

Kirchner und Marggraf möchten aber wenigstens auf diesem Weg allen Bürgerinnen und Bürgern „ihrer“ Städte ganz herzlich danken, die sich für die Partnerschaft stark machten und machen und sie lebendig halten. Marggraf: „Ohne den – auch persönlichen – Einsatz vieler Einzelner hätten wir niemals so viel erreicht.“ Und beide sind so überzeugt wie einig, dass die Partnerschaft zwischen Hemsbach und Mücheln noch einiges an Potenzial hat: „Da kann sich noch vieles entwickeln.“