Geringer Wasserstand des „Kleinen Waidsees“: Hauptursache ist die allgemeine Trockenheit

Geschrieben von Heike Pressler am . Veröffentlicht in Aktuelles

Der zurzeit sehr niedrige Wasserstand des „Kleinen Waidsees“ in Hemsbachs Westen bereitet vielen Menschen Sorge. Da mag die Vermutung naheliegen, dass dieser mit den Baumaßnahmen der Hebelschule zusammenhängt. Dort wird bekanntlich seit Anfang Mai Grundwasser abgepumpt, um die Baugrube für die neue Schulturnhalle trocken zu halten, deren Bodenplatte unterhalb des Grundwasserspiegels liegen wird. Dem ist aber nicht ganz so: Die Hauptursache für den geringen Wasserstand des Biotops ist der witterungsbedingt sehr niedrige Grundwasserstand insgesamt: Die langanhaltende Trockenheit im Zuge des Klimawandels hinterlässt unübersehbare Spuren.

„Innerhalb der natürlichen Schwankungsbreite“

Darauf verweisen die Stadt Hemsbach sowie das zuständige Fachplanungsbüro WPW Geoconsult, der BUND Hemsbach-Laudenbach und der Pflegeverein Kleiner Waidsee. Rathausmitarbeiterin Christine Hörr vom Fachbereich Planung und Technik und für den Hebelschulneubau zuständig, hat deren Stellungnahmen und Expertisen eingeholt. „Zum einen wird der Grundwasserspiegel rund um den Kleinen Waidsee in einem Maße abgesenkt, der nachweislich innerhalb der natürlichen Schwankungsbreite liegt. Das bedeutet, dass seit Anlegung des Sees im Jahre 1971 auch schon niedrigere Wasserstände als der jetzige dokumentiert sind. Zum anderen wird das Abpumpen von Grundwasser im Oktober beendet sein“, erklärt Hörr. Derzeit würden in Kooperation mit dem Pflegeverein Kleiner Waidsee, dem BUND und dem Angelsportverein die Fische abgekeschert und in den Wiesensee umgesetzt – eine Maßnahme, wie sie in der Vergangenheit im Herbst erfolgte, nun aber vorgezogen wird.

9 Zentimeter Absenkung notwendig

Die Berechnungen des Fachplanungsbüros WPW Geoconsult GmbH untermauern Hörrs Aussage: Ausgegangen wird dabei von einem „natürlichen Wasserstand“ von 94,42 nNN und einem „Absenkziel“ auf 93,3 mNN, das notwendig ist, um die Baugrube trocken zu halten – eine Differenz von 1,12 Metern. Auf den Wasserspiegel des 115 Meter von der Baugrube entfernten Kleinen Waidsees bezogen, hat das Büro eine Absenkung um 9 Zentimeter errechnet – und versichert, dass „nicht mehr Wasser gefördert wird, als tatsächlich für das Erreichen des Absenkziels erforderlich ist.“ Das garantiere die Absenkungsanlage vor Ort: Diese sei mengengesteuert und werde wöchentlich neu einjustiert.

BUND: „Drastische Auswirkungen des Klimawandels“

Kurzum: „Ein gewisser Einfluss durch die Absenkungsmaßnahmen ist da, aber wirklich spürbar sollte er nicht sein“, bilanziert Hörr und verweist dagegen auf die generelle Trockenheit und das daraus resultierende, allgemein sehr niedrige Niveau des Grundwasserstands, das inzwischen vielerorts zu einem großen Problem werde: „Die Meldungen, dass viele Kommunen mit Trinkwasserknappheit zu kämpfen haben, häufen sich zusehends.“ Und auch, wenn manche das vielleicht anders empfinden: Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) war das letzte Frühjahr erneut deutlich zu trocken, die Niederschlagsmenge betrug nur gut 50 Prozent des vieljährigen Durchschnitts. Damit war der diesjährige Frühling laut DWD unter den sechs niederschlagsärmsten seit 1881 und zum siebten Mal in Folge zu trocken. Gerhard Röhner, Vorsitzender des BUND Hemsbach-Laudenbach sieht im Rückgang der Niederschläge und in der regionalen Erwärmung „drastische und in dieser Heftigkeit auch von uns nicht erwartete Auswirkungen des Klimawandels“ – mit wiederum gravierenden Folgen für den Grundwasserstand, unsere Wälder und die Landwirtschaft. Röhner unterstreicht: „Der Wasserstand des Wiesensees, im Naturschutzgebiet Rohrwiesen/Gänswiesen und im Kleinen Waidsee entspricht dem aktuellen, sehr niedrigen Grundwasserstand. Beim Kleinen Waidsee kommt die derzeitige Absenkung im Zuge des Neubaus der Hebelschule dazu. Doch selbst wenn die in einem Gutachten prognostizierte Absenkung seines Wasserstands von 9 cm überschritten wird, kann sie nicht ursächlich für den extrem niedrigen Wasserstand sein.“

Pflegeverein Kleiner Waidsee prüft Belüftung

Ausgesprochene Kenner des Sees sind auch die Mitglieder des Pflegevereins Kleiner Waidsee, die sich seit Beginn der 1990er Jahre so engagiert wie erfolgreich um das Juwel hinter der Hebelschule kümmern. Selbstredend sind auch sie besorgt und sehen „das benötigte Absenken des Grundwasserspiegels“ als „nicht gerade von Vorteil“. Doch auch für den Pflegeverein ist klar: „Der Klimawandel zeigt sich hier in vollem Ausmaß.“ Aber statt nur dabei zuzusehen, wie das Wasser immer weniger wird, lassen die Aktiven Taten sprechen: Derzeit wird die Möglichkeit geprüft, den Teich zu belüften. Außerdem steht man in engem Kontakt mit dem BUND und der DLRG, die den Pflegeverein bei der Wasserbeprobung unterstützen. Und auch die Angler beobachten die Situation am und im See weiterhin und fischen, wenn nötig, Fische, die an der Oberfläche schwimmen, ab und setzen sie in den Wiesensee um. Wer weitere Ideen hat, kann sich gerne mit dem Pflegeverein in Verbindung setzen.

Wichtige Bedeutung als „grüne Oase“

Dass auch der Stadt Hemsbach der Kleine Waidsee am Herzen liegt, dürfte unbestritten sein – das zeigen schon allein die vielen ISEK-Aktionen und Pflegemaßnahmen der letzten Jahre rund um das kleine Biotop. „Selbstverständlich werden wir weiterhin alles uns Mögliche dafür tun, um den Kleinen Waidsee und die dortige Flora und Fauna zu erhalten. Der See hat nicht nur als grüne Oase eine wichtige Bedeutung, sondern auch einen hohen Erholungswert“, betont Rathausmitarbeiterin Christine Hörr. Eine Einleitung des aus der Baugrube abgepumpten Grundwassers in den See sei übrigens keine Lösung: Der hohe Eisen- und Mangan-Gehalt würden die Fische schädigen. Aber: Nicht nur, dass ein Ende der Wasserhaltung im Oktober in Sicht ist – sobald die Turnhallendecke fertiggestellt ist und somit genug Last auf der Bodenplatte liegt, wird die Baugrube wieder befüllt. Und vielleicht hat es bis dahin auch wieder ergiebig geregnet.