Matinee „ZusammenWachsen“ am 7. Juli auf der Rathauswiese: Gemeinsam für gute Kultur des Miteinanders

Geschrieben von Heike Pressler am . Veröffentlicht in Aktuelles

Der Ton wird rauer, der Umgang rücksichtsloser, eine allgemeine Verrohung macht sich breit – das scheint dieser Tage ein grundsätzliches gesellschaftliches Problem zu sein. Viel wird darüber diskutiert, in Hemsbach will man jetzt etwas dagegen unternehmen. Und zwar gemeinsam: Bürgermeister Jürgen Kirchner und die Kirchengemeinden haben sich zusammengetan und überlegt, wie sich dieses Thema öffentlich aufgreifen lässt. Die Lösung war schnell gefunden: Unter dem Motto „ZusammenWachsen“ wird am Sonntag, 7. Juli, herzlich zu einer Matinee auf die Rathauswiese eingeladen. Eine wichtige Rolle bei dieser Veranstaltung werden die beiden bekannten Kabarettisten Arnim Töpel und Hans-Peter Schwöbel spielen.

Die Zielrichtung ist klar: „Wir wollen für eine gute Kultur des Miteinanders werben, so dass sich in unserer Stadt, in der wir alle zuhause sind, jede und jeder wohlfühlen kann und gerne dort lebt“, erklärt Bürgermeister Jürgen Kirchner. Die Idee zu einer solchen Veranstaltung entstand am „Runden Tisch“, zu welchem sich seit etwa zwei Jahren der Rathauschef mit den Kirchengemeinden trifft, und zwar in Person von Corinna Seeberger, Pfarrerin der Reformationsgemeinde Hemsbach und Sulzbach, Pfarrer Dr. Gerrit Hohage und Diakonin Christel Apel von der Bonhoeffergemeinde, Klaus Rapp, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Hemsbach, sowie Pastor Tobias Meisinger von der EFG Hemsbach. Ein Teil der Geistlichen traf sich jetzt mit Kirchner zu einem weiteren Gespräch im Rathaus.

Beim regelmäßigen Austausch am „Runden Tisch“ kristallisierte sich im vergangenen April ein Themenkomplex ganz besonders heraus: die Art der Kommunikation und des Umgangs miteinander – um nicht zu sagen gegeneinander. Das beginnt beim Schlechtreden von allem und reicht bis hin zum „verbalen Eindreschen“ aufeinander. Ein Phänomen, das vor allem in den sozialen Medien um sich greift, aber nicht nur dort. „Dabei wollen wir hier in Hemsbach doch alle gut miteinander leben und uns das auch bewahren“, macht Kirchner deutlich.

Eine gemeinsame Veranstaltung sah man als die beste Möglichkeit an, um dieses Thema auch öffentlich in den Fokus zu rücken. Aber wie sollte die aussehen? „Wir wollten auf keinen Fall mit erhobenem Zeigefinger daherkommen“, erklärt Tobias Meisinger. Es sollte eher ein Angebot sein, eine Einladung. Dann kam der Einfall, zwei Kabarettisten mit dem gestalterischen Rahmen zu betrauen, um das Thema auch mit einer gesunden Portion Humor anzugehen. Und nach zwei weiteren Treffen standen Form der Veranstaltung, Titel, Termin und Ort fest, nämlich eine Matinee unter dem Motto „ZusammenWachsen“ am 7. Juli vormittags auf der Rathauswiese. Am Nachmittag findet auf dem Rathausplatz dann „Picknick am Schloss“ statt – was wunderbar passt: gemeinsam genießen, ins Gespräch kommen, gut gelaunt feiern.

Auch Stadt und Kirchengemeinden gehen in Sachen „ZusammenWachsen“ mit gutem Beispiel voran und zeigen damit, wie wichtig ihnen dieses Thema ist. Nicht nur, dass am 7. Juli zugunsten der Matinee auf die Sonntag-vormittäglichen Gottesdienste verzichtet wird: Am Sonntag, den 3. Februar, werden alle beteiligten Kirchengemeinden in ihren Gottesdiensten das Thema erstmals ansprechen, sei es in der Predigt oder im Rahmen der Jahreslosung. Die lautet „Suche Frieden und jage ihm nach“ und könnte, wenn auch schon vor längerer Zeit von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen festgelegt, treffender nicht gewählt sein.

Die Matinee wird sich inhaltlich dann hauptsächlich um diese Fragen drehen: Wie wollen wir zusammenleben? Wie gehen wir miteinander um? Wie kommunizieren wir? Was kann uns helfen, uns in unserer Stadt wohlzufühlen? Wie kommen wir zu einem Mit- statt Gegeneinander? Dabei dürfte auch „ein klares, offen gesprochenes Wort“, ein deutliches „So nicht!“ notwendig sein, wie Pfarrer Dr. Gerrit Hohage es formuliert: „Wir wollen zeigen, was uns auffällt und was wir ändern wollen. Wir möchten für mehr Respekt, Toleranz und Verständnis eintreten.“

In diesem Zusammenhang erinnert Pfarrer Klaus Rapp an das christliche Menschenbild und den christlichen Wertekanon, welchen es zu bewahren gilt, gesteht allerdings ein, dass auch „eine gesunde Portion Selbstkritik“ angebracht sei: „Niemand ist vor solchen Negativgedanken oder -äußerungen gefeit. Man muss sich selbst hinterfragen. Auch dafür wollen wir sensibilisieren.“

„ZusammenWachsen“ ist ein Thema, das letzten Endes alle betrifft. „Deshalb soll die Veranstaltung auch jede und jeden ansprechen – und entsprechend erhoffen wir auch eine große Resonanz“, ist Pfarrerin Corinna Seeberger zuversichtlich. Außerdem wird das Thema mit dem 7. Juli nicht „abgehakt“, im Gegenteil: „Es muss Substanz bekommen. Wir wollen ja langfristig und nachhaltig etwas erreichen, wir wollen anregen und Unterstützung bieten. Deshalb wird es weitere Angebote geben“, versichert Meisinger stellvertretend für seine Kolleginnen und Kollegen. Kirchner könnte sich gut vorstellen, das Thema auch im ISEK-Prozess zu verankern: „Es geht ja auch darum, gemeinsam Antworten auf dieses Problem zu finden und zu entwickeln.“

Es muss also nicht gleich eine „Anti-Boshaftigkeits-Verordnung“ sein. Zu diesem drastischen Mittel griff nämlich jüngst Kirchners italienischer Amtskollege Andrea Costa, der auf diese Weise in seiner Gemeinde Luzarra den Zusammenhalt anmahnen und stärken möchte. Wobei die Strafen bei Verstößen eher Aufforderungen zum Nachdenken gleichen: Die Betroffenen werden zum Lesen von Büchern oder zu Museums- und Kinobesuchen „verdonnert“ – entsprechende Inhalte dieser Medien vorausgesetzt. Und bei wem hat das Buch „Wer die Nachtigall stört“ oder der Film „Philadelphia“ nicht nachhaltig positiv gewirkt…