„Da gibt es nichts zu meckern“: Grundstücks-Erstpflege durch Ziegenbeweidung

Geschrieben von Heike Pressler am . Veröffentlicht in ISEK Presse & Berichte

Hemsbach. Von wegen Meckerziegen: Den Fünfen schmeckt es sichtlich. Kein Wunder: Der Tisch ist mit Brombeeren, Waldreben und Robinien reich gedeckt. Seit Ende Juni grasen fünf Ziegenböcke im Hemsbacher Vorgebirge ein großes, bis dahin völlig verwildertes Grundstück ab, das sich an der Abzweigung des ersten Umbühlweges vom neuen Blütenweg befindet. „Engagiert“ wurden sie von der ISEK-Projektgruppe „Landschaft und Vorgebirge“. Vertraglich verantwortlich für den „Almauftrieb“ ist bei der Stadt Hemsbach Thomas Wetzel. Die fünf Vierbeiner sind eine Leihgabe von Jens Klemm, Inhaber des Eiscafés „GEISslein“ in Laudenbach, das für seine Ziegenmilch-Eisspezialitäten weithin bekannt ist.

ISEK-Projektgruppe Landschaft und Vorgebirge erhält Unterstützung von Vierbeinern

Die Grundstücks-Erstpflege mittels Beweidung durch Ziegen ist die jüngste Aktion der äußerst tatkräftigen ISEK-Projektgruppe „Landschaft und Vorgebirge“. ISEK steht für das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept, das im vergangenen Jahr mit breiter Bürgerbeteiligung erarbeitet wurde und jetzt mit verschiedenen Pilotmaßnahmen in seine Umsetzungsphase gestartet ist. Eine dieser Pilotmaßnahmen ist die Wiederherstellung der Kulturlandschaft und die damit verbundene Erhaltung des Artenreichtums des Vorgebirges. Das ist wegen Nutzungsaufgabe bereichsweise bereits unter wild wachsendem Gestrüpp oder sogar Wald verschwunden. Daran, dass in Hemsbach die berühmte „Blühende Bergstraße“ wieder zum Vorschein kommt, arbeitet die 20 Mitglieder starke Projektgruppe.

Diese grundsätzliche Zielrichtung, nämlich das Vorgebirge wieder zu einem landschaftlichen und touristischen Aushängeschild zu machen, hat auch das gemeinsam von den Bergstraßenkommunen erstellte „Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept“, kurz ILEK. Einer der ersten Schritte ist, einen durchgängig nutzbaren Wegeverlauf durch das ILEK-Gebiet im Vorgebirge zu schaffen – analog zum ISEK der Stadt Hemsbach.

In enger Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Stadtverwaltung und mit unglaublich viel Einsatzbereitschaft, Begeisterung, Elan und Spaß ist die ISEK-Projektgruppe seit Monaten aktiv und hat bereits Ergebnisse und Erfolge vorzuweisen. Beginnend im Norden an der Grenze zu Laudenbach wurde in etlichen Begehungen eine akribische Kartierung der Grundstücke am Wegverlauf des Blütenwegs durch die Hemsbacher Gemarkung vorgenommen. Dieser unterscheidet sich übrigens von dem des „alten“ Blütenwegs: Die neue Strecke führt im Sinne von mehr Naturnähe über die Flanke des Vorgebirges durch offenes Gelände statt nah an den Ortschaften vorbei oder durch diese hindurch.

In den Herbst- und Wintermonaten unternahm die Gruppe dann mehrere Freischneide-Aktionen, um Wege und Landschaft offen zu halten. Dank einer 10.000-Euro-Spende der Stiftung Obst- und Gemüseabsatzgenossenschaft Weinheim-Bergstraße konnten dann durch den Einsatz von Fachfirmen insgesamt 2,1 Kilometer Wegstrecke passierbar und die dort anliegenden Grundstücke wieder zugänglich gemacht werden.

Die meisten dieser größtenteils brachliegenden Grundstücke sind in Privatbesitz. Um diese wieder in die Bewirtschaftung zu bringen, schrieb die Stadtverwaltung die Eigentümer der Grundstücke des ersten Wegabschnitts von der Laudenbacher Gemarkungsgrenze bis zum zweiten Umbühl-Weg an. Mit erfreulicher Resonanz: Fast alle reagierten auf das Anschreiben, ergriffen eigenständig Erstpflegemaßnahmen oder erklärten sich bereit, die Grundstücke in die Hände der Stadt zu geben. Zwei Eigentümer gestatteten sogar, dass Bänke und Sitzgruppen auf ihrem Grundstück errichtet werden dürfen.

Am Berlingrücken wurde ein erster Pavillon aufgestellt – als Ruhe- und Rastplatz, zum Schutz bei Regen, aber auch als Aussichtspunkt, um die Reize, welche die hiesige Naturlandschaft bietet, dem Betrachter eindrücklich vor Augen zu führen. Ebenso weisen seit dem Hemsbacher Wein- und Blütenfest mehrere, zunächst provisorische Informationstafeln entlang des südlichen Hemsbacher Blütenwegs auf die Besonderheiten der Landschaft und ihrer Flora und Fauna hin.

Während einer gemeinsamen Begehung der Projektgruppe mit Nadja Salzmann und Martin Schaarschmidt vom jüngst gegründeten Landschaftserhaltungsverband (LEV) wurde das weitere Vorgehen in Sachen Pflegemaßnahmen der von der Stadt gepachteten Flächen besprochen. Für ein 1.500 Quadratmeter großes, völlig verwildertes Grundstück an der Abzweigung des ersten Umbühl-Wegs vom neuen Blütenweg bot sich die Beweidung mit Ziegen als Erstpflegemaßnahme an.

Und die haben bis dato wirklich ganze Arbeit geleistet. Nach inzwischen drei Wochen angenehmer „Arbeit“ für die fünf Vierbeiner ist das Flurstück wieder offen und licht. „Es ist doch toll, wenn man seine Arbeit durch Fressen erledigen kann“, meint schmunzelnd Projektgruppensprecher Gerhard Röhner. Im Herbst sollen auf diesem Grundstück in einem zweiten Schritt die Waldbäume gefällt werden. Die dort gewachsenen Obstbäume bleiben erhalten und werden durch Neupflanzungen ergänzt. Sowohl der wanderbeschuhte menschliche Betrachter als auch die Flora und Fauna werden sich dann über ein Stück wiedererlangte Kulturlandschaft erfreuen können. Erwünschter Nebeneffekt soll sein, dass die Fläche dann auch leichter zu unterhalten sein wird.

Im Rahmen des ISEK gibt es noch viel zu tun, nicht nur im Vorgebirge, sondern bei vielen weiteren Projekten. Alle Bürger sind herzlich eingeladen, aktiv mitzuwirken. Aber auch Ideengeber und Ratsuchende sind bei den Sitzungen herzlich willkommen. Informationen gibt es bei der ISEK-Koordinatorin Juliane Rösler, Tel. 06201/707-29, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, oder bei Thomas Wetzel vom Bauamt, Tel. 06201/707-67, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.