Spende der Stiftung Obst- und Gemüseabsatzgenossenschaft Weinheim-Bergstraße: Auf freien Wegen ins Vorgebirge

Geschrieben von Heike Pressler am . Veröffentlicht in ISEK Presse & Berichte

Hemsbach. „Ohne Weinbau ist das Vorgebirge nicht zu retten.“ Gerhard Röhner, Sprecher der ISEK-Projektgruppe Landschaft und Vorgebirge, findet deutliche Worte. Ein mindestens genauso deutliches Signal aber wurde jetzt dafür gesetzt, dass die Rettung gelingt: Die Stiftung Obst- und Gemüseabsatzgenossenschaft Weinheim-Bergstraße nämlich spendete 10.000 Euro für die Freischneidung der Wirtschaftswege in den Hügeln über Hemsbach.

Die genannte Projektgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, das Vorgebirge als Kulturlandschaft zu erhalten, wieder in die Bewirtschaftung und zum Blühen zu bringen. Dies ist bekanntlich eine der Pilotmaßnahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts, kurz ISEK, das sich an dieser Stelle mit dem Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept (ILEK) „Blühende Badische Bergstraße“ überschneidet.

Für eine Offenhaltung der strukturreichen Kulturlandschaft an der Bergstraße sind ein funktionierendes Wegenetz und eine wegbegleitende Infrastruktur unabdingbar. Und genau hier legt die ISEK-Gruppe im wahrsten Sinne des Wortes auch selbst Hand an: Ein Weg und zwei verwilderte städtische Grundstücke wurden von der Gruppe freigeschnitten. Andere Grundstücksbesitzer oder -pächter sollen ermutigt werden, diesem Beispiel auf ihren Flächen zu folgen. Der zunehmenden Verwaldung, die auch die Artenvielfalt im Vorgebirge bedroht, soll Einhalt geboten werden.

Dass der dringend erforderliche Freischnitt der Wege mit einem derartigen „Geldsegen“ unterstützt wurde, ist Erhard Schröder, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Stiftung Obst- und Gemüseabsatzgenossenschaft Weinheim-Bergstraße, zu verdanken. Die Stiftung fördert, wie der Name schon sagt, den Obst-, Wein- und Gartenbau an der Bergstraße von Laudenbach bis Schriesheim.

Dass das Hemsbacher Vorgebirge in den Genuss einer Spende kommt, verdankt sich eher einem Zufall. Schröder, selbst Winzer, sah sich bei einer Wanderung durchs Hemsbacher Vorgebirge mit eben jenem Problem zugewachsener Wege konfrontiert: „Da ist kein Durchkommen mehr für Fahrzeuge und Geräte, die man braucht, um die Grundstücke zu bewirtschaften“, stellte er fest und unterbreitete dem Stiftungsvorsitzenden Rudi Glock den Vorschlag, dort 10.000 Euro aus dem Stiftungserlös in Freischneidemaßnahmen zu investieren. Der unterstützte dieses Vorhaben sofort.

Flugs wurde mit der Stadtverwaltung und der ISEK-Gruppe Kontakt aufgenommen, und dann nahm das Ganze rasch seinen Gang. Vor Ort zogen Gerhard Röhner und Thomas Wetzel vom städtischen Bauamt die organisatorischen „Strippen“, mit Vertretern der Bergsträßer Winzergenossenschaft um ihren Vorsitzenden Kurt Pfliegensdörfer wurden vor Ort diejenigen Wege ausgemacht, welche am dringendsten eines Freischnitts bedurften. Die Stadt holte ein Angebot einer auf solche Arbeiten spezialisierten Firma ein. Die Stiftung prüfte dieses umgehend und erteilte den Auftrag.

Innerhalb von vier Wochen wurden so insgesamt 2,1 Kilometer Wegstrecke wieder passierbar und die dort anliegenden Grundstücke wieder zugänglich gemacht; konkret handelt es sich hierbei um den Eppenweg, den Berlingweg und den Hartmußweg, wichtige Wirtschaftswege des Vorgebirges.

„Es tut sich was im Vorgebirge. Hier wird eine Maßnahme aus dem ISEK-Prozess optimal umgesetzt. Wir haben den Weg freigemacht, jetzt hoffen wir, dass das Interesse am Weinbau auch bei den jüngeren Generationen wieder geweckt wird“, sagte Bürgermeister Jürgen Kirchner und bedankte sich im Namen der Stadt und des Gemeinderats für die großzügige Spende der Stiftung. „Wir wissen, dass die Kommunen allein das nicht leisten können, sie brauchen Unterstützung“, so Schröder, der auch viel Lob für die Zusammenarbeit mit und zwischen ISEK-Projektgruppe und Stadtverwaltung parat hatte: „Das läuft richtig toll!“

Bei der Begehung vor Ort richtete man den Blick auch schon mal in die Zukunft: Zwar ist die Weinbaufläche, die im Hemsbacher Vorgebirge noch bewirtschaftet wird, von 32 Hektar im Jahr 1971 auf 17 Hektar heute „geschrumpft“, und bei einigen Grundstücken lohnt eine maschinelle Bewirtschaftung nicht, „aber es könnten mehr Flächen als Rebflächen ausgewiesen werden“, erklärt Kurt Pfliegensdörfer.

Zugegebenermaßen gehört zu deren Bewirtschaftung eine große Portion Idealismus, denn wirklich konkurrenzfähig könne der Weinbau an der Bergstraße nur dann sein, wenn er „als etwas Besonderes“ gelte. Röhner sieht eine Chance in der Verknüpfung von Landschaft und Weinbau: „Wir müssen die Landschaft mit vermarkten.“

Der Grundstein dafür ist gelegt, der ökologische, touristische und wirtschaftliche Wert des Vorgebirges wieder ins Bewusstsein gerückt. Jetzt gilt es, noch mehr, vor allem junge Menschen dazu zu bewegen, sich im Vorgebirge zu engagieren, sei es durch Führungen, Aktionen oder Kurse zu Weinernte oder Rebschnitt – die Ideen gehen den Akteuren nicht aus. Auf entsprechende Resonanz muss man hoffen, denn, wie Erhard Schröder es formuliert: „Ihr habt ein Juwel hier oben. Es wäre schade, wenn es verkommt.“