ISEK-Projektgruppe „Landschaft und Vorgebirge“ ist enorm aktiv

Geschrieben von Heike Pressler am . Veröffentlicht in ISEK Presse & Berichte

Viele große und kleine Schritte für eine bald wieder "blühende Bergstraße"

Hemsbach. Bis vor ein paar Jahrzehnten machte sie ihrem Namen noch alle Ehre: die "Blühende Bergstraße". Weinberge, Wiesen, Gärten und Obstbäume säumten die Hügel des Vorgebirges. Diese einzigartige Natur- und Kulturlandschaft, für die schon die Römer den Grundstock legten, war von hohem ökologischem Wert und galt als touristische Perle. Heute zeigt sich ein eher betrübliches Bild: Immer weniger Grundstücke werden bewirtschaftet, viele ganz aufgegeben, verwildern und verbuschen. Die Folge: Der Wald „erobert“ sich die Flächen zurück – und die bergstraßentypischen trocken-warmen, buntblühenden Biotope wie Magerrasen, Trockenmauern, Lößböschungen und Blumenwiesen mit ihren vielen seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten drohen zu verschwinden.

Der Bogen vom ILEK…

Gegen diese unerfreuliche Entwicklung wollen die Bergstraßenkommunen mit einem "Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept" – kurz ILEK – positive Impulse in den Bereichen Landwirtschaft und Weinbau, Naturschutz und Landschaftspflege sowie Tourismus und Erholung setzen. Inzwischen wurden erste Leitprojekte mit zugehörigen "Leuchttürmen" erarbeitet. Diese „Leuchttürme“ haben den Zweck, möglichst schnell zu Ergebnissen zu kommen und diese sichtbar zu machen. Ein Leitprojekt ist die Schaffung eines durchgängig nutzbaren Wegenetzes durch das ILEK-Gebiet, das die Ansprüche verschiedener Nutzergruppen, wie beispielsweise Winzer und Wanderer, berücksichtigt; als "Leuchtturm" soll der Burgenweg als touristischer Magnet entwickelt werden.

Was dem ILEK die "Leuchttürme", sind dem "Integrierten Stadtentwicklungskonzept"– kurz ISEK – der Stadt Hemsbach die "Pilotmaßnahmen": erste Schritte in Richtung praktische Umsetzung. Und auch hierbei will die Stadt – wie bereits bei der Erarbeitung des ISEK – die Bürgerinnen und Bürger mit ins Boot nehmen und gemeinsam mit ihnen verschiedene Vorhaben und Prozesse angehen: "Wir setzen weiterhin konsequent auf die Kompetenzen und Mitarbeit der Bürgerinnen und Bürger. Bei vielen Vorhaben ist das sogar Voraussetzung für deren Akzeptanz und Erfolg", unterstreicht Bürgermeister Jürgen Kirchner.Sozusagen "Herzstück" oder Motor hierbei sind die Projektgruppen. Getreu dem ISEK-Motto "Hemsbach macht Zukunft" sollen sich diese, ausgehend von den in den Bürgerwerkstätten erarbeiteten Schwerpunkten, zu bestimmten Themenbereichen zusammenfinden und die entsprechenden Konzepte mit Leben füllen.

… zum ISEK

Insgesamt zwölf Pilotmaßnahmen wurden im ISEK erarbeitet. Eine davon ist die Erhaltung beziehungsweise Wiederherstellung der Kulturlandschaft des Vorgebirges – hier schließt sich also der Bogen zum ILEK. Die aus der ISEK-Bürgerwerkstatt „Landschaft, Umwelt, Energie“ hervorgegangene Projektgruppe "Landschaft und Vorgebirge", derzeit 15 aktive Mitglieder stark, hat sich genau dieses Schwerpunkts angenommen und arbeitet an dem Ziel, den Burgenweg auf Hemsbacher Gemarkung und das Eichbachtal wieder zur naturlandschaftlichen und touristischen "Visitenkarte" Hemsbachs zu machen. Die Mitte Juli gegründete Projektgruppe hat sich in mehreren Begehungen des Gebiets direkt vor Ort ein Bild gemacht, um Wegalternativen zu prüfen und zu entwickeln, und zwar unter der Prämisse, einen attraktiven Wegverlauf durch eine möglichst offene Landschaft festzustecken. Dafür war eine zweite Anstrengungunabdingbar, nämlich entlang des festgelegten Wegverlaufs alle Grundstücke und deren jeweilige Nutzungsform als Wingert, Obstgarten, Garten oder Wiese zu kartieren. Das Ergebnis: Über die Hälfte der etwa 530 Grundstücke mit gut 60 Prozent Gesamtflächenanteil werden gar nicht mehr bewirtschaftet oder wenigstens gepflegt, sondern sind verwildert, wenn nicht sogar bereits verwaldet. "Die noch genutzten Grundstücke liegen sozusagen wie noch intakte Inseln in der Wildnis", beschreibt Projektgruppensprecher Gerhard Röhner den derzeitigen Zustand. "Neuer Burgenweg"

Die Gründe dafür, dass Grundstücke brachliegen, sind vielfältig; das "abreißende Band der Generationen" sowie der Umstand, dass sich für viele eine Bewirtschaftung nicht mehr lohnt – gerade wenn die Grundstücke kleinflächig oder ungünstig geschnitten sind –, dürften die wesentlichen sein, erklärt Röhner. Auch die oftmals unzureichende Erschließung durch geeignete Wege führt der Projektgruppensprecher als Ursache ins Feld. Die weitere Vorgehensweise war, den Wegverlauf inklusive Grundstücke von Nord nach Süd in insgesamt zehn Abschnitte zu unterteilen. Die ersten Abschnitte im nördlichen Teil ab Gemarkungsgrenze Laudenbachwerden derzeit weiter "bearbeitet". So überlegt man zum einen, wie der Weg beispielsweise durch eine begleitende Infrastruktur aufgewertet werden kann, und hat auch schon verschiedene Vorschläge unterbreitet: weitere Bänke und Informationstafeln aufstellen, Rastplätzesowie Pavillons einrichten. Zum zweiten ist der "Neue Burgenweg" – so der Arbeitstitel des Projekts – an zwei Stellen noch nicht begehbar, so an der Berling – hier wird die Stadtverwaltung aktiv – und auf der Strecke vom Hochbehälter am Märzbrunnenweg bis zum Alteberg. Hier hat die Gruppe selbst im wahrsten Sinne des Wortes "Hand angelegt" und einen Fußpfad freigeschnitten.

Viele Möglichkeiten

An der Stadt – konkret des Bau- und Ordnungsamtes – ist es nun, die betreffenden Eigentümer nichtgepflegter Grundstücke anzuschreiben; die Projektgruppe arbeitet ausschließlich anhand von Flurstücknummern. Ihr Vorschlag: Im Falle, dass ein Eigentümer sein Grundstück "auf Vordermann" bringen will, könnte ihm auch Unterstützung angeboten werden, beispielsweise in Form eines Geräteverleihs oder bei der Entwicklung eines Nutzungskonzepts. Sollte sich keine andere Nutzung finden, ist als einfachste Pflegeform auch eine Beweidung möglich, zunächst mit Ziegen, dann mit Rindern, erklärt Röhner.

Eine Beweidung schlägt die Projektgruppe auch im Eichbachtal vor. Dieses Gebiet wurde ebenfalls komplett kartiert. Hier allerdings sollen Schafe "zum Einsatz" kommen. Die Nähe zur Wiesenfläche in der Berling, wo diese wolligen Vierbeiner ohnehin zweimal im Jahr grasen, spräche dafür. Auch hier ist geplant, dass die Verwaltung die Eigentümer anschreibt.

"Sehr gute Zusammenarbeit"

Für die Zusammenarbeit mit der Stadt findet Röhner ausschließlich lobende Worte: "Das läuft sehr, sehr gut, und zwar sowohl, was die Koordination durch Denise Bauer als auch die Umsetzung durch Thomas Wetzel anbelangt." Für beide Seiten wird es in Zukunft weiterhin einiges zu tun geben, zumal die Projektgruppe noch viele Ideen in petto hat, wie zum Beispiel die Pflanzung von Kirschbäumen, das Anlegen von Schmetterlingsgärten, Naturwiesen und Trockenmauern, ein „Tag des offenen Gartens“ am Zeilberg, die Vermittlung von freigewordenen Flächen zur Erweiterung der Wingertflächen oder sogar das Anlegen eines "Bürgerweinbergs". "Wir sind frohen Mutes und voll motiviert", resümiert Röhner. Und wer weiß: Vielleicht wird der Burgenweg eines Tages ein genauso hohes Renommee genießen wie der Nibelungensteig.

Wer an der Mitarbeit in den Projektgruppen interessiert ist, kann sich bei Denise Bauer unter Telefon 06201/707-26 oder per E-Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! melden. Auch Thomas Wetzel von der Bauverwaltung steht für Anfragen gerne zur Verfügung (Telefon 06201/707-67, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Auf der städtischen Homepage kann man sich unter www.hemsbach.de/isek/webisek.html umfassend über den ISEK-Prozess informieren.