ISEK-Projektgruppe Landschaft/Vorgebirge setzt weiterhin sichtbare Zeichen

Geschrieben von Heike Pressler am . Veröffentlicht in ISEK Presse & Berichte

Neuer Blütenweg durch den Vorgarten Hemsbachs

Er ist etwa 85 Kilometer lang und führt an vielen Schlössern und Burgen der Bergstraße vorbei, woher er auch seinen Namen hat. Die Rede ist vom Burgenweg, ein vom Odenwaldklub e. V. gepflegter Fernwanderweg, der entlang der Bergstraße von Darmstadt-Eberstadt bis nach Heidelberg verläuft. Waldreiche Gegend kennzeichnet den nördlichen Bereich, im Süden verläuft die Strecke zu großen Teilen durch Weinberge.

Neben dem Burgenweg führt ein zweiter, weiter westlich gelegener Wanderweg durch das Vorgebirge am Rand der Bergstraßenortschaften: der Blütenweg. Die Gebiete, die beide Wege durchqueren, sind Bestandteil des UNESCO-Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald.

Burgenweg wird zertifiziert

Das soll auch so bleiben, allerdings wird es sowohl beim Burgen- als auch beim Blütenweg in naher Zukunft Veränderungen geben – zum Positiven: Die Wege sollen einen anderen Verlauf nehmen und der Burgenweg zu einem zertifizierten Wanderweg werden – eine Auszeichnung, wie sie beispielsweise der Nibelungensteig genießt.

Darauf haben sich die Bergstraßengemeinden von Laudenbach bis Dossenheim jetzt verständigt. Die Zertifizierung ist ein großes Anliegen auch der Tourismusverbände und des Geo-Naturparks. Mit der Zertifizierung wird der Odenwaldklub beauftragt; ihm obliegt es zu prüfen, ob entsprechende Qualitätsmerkmale wie beispielsweise eine minimale Versiegelung der Wege, eine durchgängige Markierung und gute Streckenausstattung, landschaftliche und kulturgeschichtliche Attraktionen auf der gesamten Wanderstrecke und ein hoher Erlebniswert für Kultur- und Naturbegeisterte erfüllt sind.

Wie der neue Burgenweg zukünftig genau verlaufen soll, wird im Detail noch abgestimmt. Auf der Gemarkung Hemsbach jedenfalls wird er ab der Laudenbacher Kirchstraße hinauf auf den Kreuzberg, weiter zum „Steinernen Gaul“ und am Waldnerturm vorbei bis zum Boxberg führen – also durch viel Wald und sehr weit im Osten.

Neuer Blütenweg

An der Laudenbacher Kirchstraße zweigt vom Burgenweg der neue Blütenweg ab und nimmt westlich davon über die Bergrücken des Vorgebirges seinen Verlauf – im Gegensatz zum alten Blütenweg durch offenes Gelände statt nah an den oder gar durch die Ortschaften. In Dossenheim werden Burgen- und Blütenweg dann wieder zusammengeführt. Aber auch zwischen den getrennten Strecken wird es Berührungspunkte und Verbindungsstellen geben – in den anliegenden Gemeinden wird über entsprechende Anschlüsse informiert.

Nun macht der Blütenweg allerdings seit Jahren seinem Namen vielerorts wenig Ehre, denn die „Blühende Bergstraße“ ist, jedenfalls nördlich von Weinheim, zu weiten Teilen unter wild wachsendem Gebüsch oder Wald verschwunden. Dagegen haben die Bergstraßenkommunen bekanntlich ein „Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept“ – kurz ILEK – gesetzt. Einen durchgängig nutzbaren Wegeverlauf durch das ILEK-Gebiet im Vorgebirge zu schaffen, ist dabei eines der konkreten Ziele – und fällt hier mit einer Pilotmaßnahme des „Integrierten Stadtentwicklungskonzepts“, kurz ISEK, der Stadt Hemsbach zusammen: die Erhaltung beziehungsweise Wiederherstellung der Kulturlandschaft des Vorgebirges.

Tatkräftige ISEK-Projektgruppe

Darum kümmert sich seit einigen Monaten die aus der ISEK-Bürgerwerkstatt „Landschaft, Umwelt, Energie“ hervorgegangene Projektgruppe „Landschaft und Vorgebirge“, in der Theorie, aber noch viel mehr in der Praxis. Dazu zählen etliche Begehungen, eine akribische Kartierung der Grundstücke am neuen Wegverlauf und mehrere Freischneide-Aktionen, um Wege und Landschaft offen zu halten – zuletzt eines städtischen Grundstücks am Alteberg, direkt am neuen Wegverlaufs des Blütenwegs gelegen. Dort soll eine Wiese für Schmetterlinge und andere Insekten entstehen.

Dass in der unmittelbaren Nachbarschaft Grundstücke liegen, die von der BUND-Ortsgruppe Hemsbach/Laudenbach ohnehin seit Jahren gepflegt werden, wertet Projektgruppensprecher Gerhard Röhner als unschätzbaren Vorteil: „Hier kommen wir relativ schnell zu einem wirklich sichtbaren Ergebnis: Wir können ein größeres, zusammenhängendes ökologisches Refugium schaffen, das von Dauer ist.“

Grundsätzlich, so Röhner, soll mit diesen Aktionen gezeigt werden, dass es möglich ist, selbst etwas zu tun. „Wir setzen damit ein Zeichen und schaffen vielleicht einen Anreiz auch für andere, daran mitzuwirken, dass unser Vorgebirge wieder zum Vorgarten Hemsbachs wird.“ Genau diesen Effekt erhofft sich auch die Stadtverwaltung: „Der ISEK-Prozess setzt auf eine breite Bürgerbeteiligung. Wenn erste Ergebnisse und Erfolge augenfällig werden, finden sich vielleicht weitere Unterstützer, die sich aktiv im Stadtentwicklungsprozess einbringen, um Hemsbach noch attraktiver für die Zukunft zu machen“, so Bürgermeister Jürgen Kirchner.

Im nördlichen Bereich der Hemsbacher Gemarkung beginnend hat die Gruppe Problembereiche identifiziert und diskutiert mit der Stadtverwaltung mögliche Nutzungskonzepte. Um weitere brachliegende oder verwilderte Grundstücke, die im Privatbesitz sind, wieder in die Bewirtschaftung zu bringen, ist die Stadtverwaltung aktiv geworden und hat erste Eigentümer angeschrieben.
Übrigens: Die Bewirtschaftung der Grundstücke an den Bergstraßenhügeln ist mit ein Grund, dass der Blütenweg nicht für eine Zertifizierung vorgesehen werden kann: Viele der Wege sind wegen der besseren Befahrbarkeit nämlich versiegelt.

Doch der Blütenweg hat seine ganz eigenen Reize – oder besser: könnte sie haben. Und daran arbeitet die ISEK-Projektgruppe munter und motiviert weiter. Ideen gibt es zahlreiche, beispielsweise soll der Weg durch Bänke, Pavillons, Infotafeln etc. weiter aufgewertet werden. Auch eine einheitliche Wegweisung ist vorgesehen.

Vorsitzende des Landschaftserhaltungsverbands zu Gast

Über Nutzungskonzepte wird auch in der nächsten Sitzung der Projektgruppe am 23. Januar diskutiert. Zu Gast sein werden die beiden Geschäftsführer des im Februar neu gegründeten Landschaftserhaltungsverbands Rhein-Neckar e.V., Nadja Salzmann und Martin Schaarschmidt, die großes Interesse an der Arbeit der ISEK-Projektgruppe zeigen. „Das ist eine große Anerkennung und Ehre für uns“, freut sich Röhner auf eine ertragreiche Diskussion, zumal sich die beiden schon zweimal vor Ort einen Eindruck von den Fortschritten verschafft haben und dies vor der Sitzung sicherlich ein drittes Mal tun werden.

Dass der Landschaftserhaltungsverband, der sich ebenfalls auf die Fahnen geschrieben hat, die Kulturlandschaft, Biotope und Schutzgebiete zu erhalten und deren Pflege zu unterstützen, darüber hinaus Fördermittel akquiriert und Öffentlichkeitsarbeit betreibt, aber vor allem sämtliche Gruppen an einem Tisch versammeln will, um dieses gemeinsame Ziel zu verfolgen, kann der ISEK-Pilotmaßnahme ebenfalls nur zum Vorteil gereichen.

Vernetzung ist das Stichwort, das gleichfalls auch für die Projektgruppe selbst gilt, die zahlenmäßig sogar am Wachsen ist: Derzeit sind es 18 Aktive, darunter Winzer, Mitglieder des Odenwaldklubs, des Obst-, Wein- und Gartenbauvereins und des BUND, die gemeinsam mit den ISEK-Verantwortlichen im Bauamt an einem Strang ziehen, die mit „unglaublich viel Einsatzbereitschaft, Begeisterung, Elan und Spaß“, so Röhner, dabei sind, das Vorgebirge wieder zu dem naturlandschaftlichen und touristischen Aushängeschild zu machen, das es einst war.

Und vielleicht erfährt diese überaus rege und erfolgreiche Projektgruppe noch einen weiteren Motivationsschub, wenn am Sonntag, 11. Mai, im Rahmen des 54. Wein- und Blütenfestes eine Wanderung angeboten wird, bei der der neu konzipierte Blütenweg vorgestellt wird – dann im Frühlingsgewand und mit viel Neuem, das es zu entdecken gibt.

Wer an der Mitarbeit in den Projektgruppen interessiert ist, kann sich bei Thomas Wetzel von der Bauverwaltung, Telefon 06201/707-67, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, gerne melden. Auf der städtischen Homepage unter www.hemsbach.de/isek/webisek.html finden sich umfassende Informationen über den bisherigen ISEK-Prozess.