MdL Kleinböck (SPD) lud BIP und Flüchtlinge nach Stuttgart ein: „Landtag is like a Football Match”

„Landtag is like a Football Match” – ein Vergleich, der nicht in jeder Hinsicht stimmen mag, aber von der Besucherbetreuerin sehr anschaulich gewählt war. Und zu dem sich jeder so seine Gedanken machen kann und auch machte, wie die Diskussionen im Bus während der Rückfahrt zeigten: Auf Einladung von Gerhard Kleinböck, dem Landtagsabgeordneten der SPD für den Wahlkreis Weinheim...

... besuchten 15 Flüchtlinge aus dem Luisenhof gemeinsam mit zehn Ehrenamtlichen des „BürgerschaftlichenIntegrationsProjekts“ – kurz BIP – und Thomas Pohl, im Rathaus verantwortlich für Asylbewerber, den Stuttgarter Landtag.

Die Hemsbacher Flüchtlingsbetreuung und -integration ist an der Bergstraße inzwischen zum Vorzeigemodell geworden. Insbesondere ist dies den BIP-Mitgliedern zu verdanken, die den Flüchtlingen jede nur mögliche Unterstützung angedeihen lassen, damit diese hier Fuß fassen können. Und dies sehr erfolgreich. Doch bei allen Fortschritten gibt es auch immer wieder Hürden, die unüberwindlich scheinen. Zwei davon wollten die BIP-Mitglieder und die Flüchtlinge ins vorgesehene Gespräch mit Gerhard Kleinböck einbringen: zum einen den für Flüchtlinge schwierigen Zugang zur Bildung, zum anderen die drohende Abschiebung trotz Integrationserfolg.

Nach Ankunft auf dem Stuttgarter Schlossplatz gab es für die Gruppe zunächst eine kleine Einführung in die Zusammensetzung, die Aufgaben und Funktionen des Landesparlaments, das derzeit aufgrund der Sanierung des Landtagsgebäudes im Kunstgebäude untergebracht ist. Die interessierte Zuhörerschar, immerhin fünf Nationalitäten umfassend, ließ es sich auch nicht nehmen, jede Menge Fragen zu stellen. Kam man mit Englisch nicht mehr weiter, wurde auf Französisch, Italienisch oder Spanisch ausgewichen. Und selbstverständlich standen Fragen zur Flüchtlingspolitik im Mittelpunkt wie „What can we do for refugees?“

„What can we do for refugees?“

Hier war der inzwischen dazugekommene Gerhard Kleinböck der richtige Adressat. Er erklärte zunächst, dass die Gesetzgebung beim Bund liege und die einzelnen Länder lediglich für die Verteilung und Unterbringung der Flüchtlinge zuständig seien. Die Diskussion, wie man Flüchtlinge in Bildung und Arbeit bringe, laufe derzeit sehr intensiv auf allen Ebenen.

Gerade Bildung, der Schlüssel, der einem viele Tore öffnet, ist ein Thema, das die Hemsbacher Verantwortlichen derzeit sehr beschäftigt – und um das man sich sehr bemüht. Dank deren vehementen Einsatzes konnten die Luisenhof-Flüchtlinge bereits zwei Wochen nach ihrer Ankunft den ersten Integrationskurs besuchen – andernorts warten Asylbewerber oft ein halbes Jahr, bis sie mit dem Deutschlernen beginnen können, erklärte Thomas Pohl.

Nun allerdings ist das erste Modul abgeschlossen, und für den Anschlusskurs, der wie der erste 100 Lehrstunden umfasst, fehlt schlichtweg das Geld – genau 3.500 Euro. Der Landkreis kommt für den Betrag nicht auf, und auch die Kommune kann nicht in die Bresche springen. Dabei sind die 20 betroffenen Flüchtlinge sogar bereit, selbst jeweils einen Beitrag von 35 Euro zu leisten – ein weiteres deutliches Zeichen für deren enormen Integrationswillen.

Die große Lücke zwischen den zwei Deutsch-Modulen sei fatal, bestätigten auch die BIP-Vertreter. Die Sprache werde „verschludert“, manches falsch memoriert oder gar wieder verlernt. Dies aufzufangen, könnten die Ehrenamtlichen nicht leisten. Nur noch sechs der Luisenhof-Flüchtlinge besuchten derzeit die Schule, dem entgegen seien die Handwerkskammern auf der Suche nach Auszubildenden.

Asylverfahren beschleunigen

Der SPD-Abgeordnete versprach hier Unterstützung und will zeitnah mit dem Landkreis, den Bürgermeistern und dem Integrationsamt in Heidelberg ein Gespräch führen. Auch im Vorfeld müssten Ausbildungsstand und Berufsqualifikationen von Asylbewerbern festgestellt werden, um diese schneller integrieren zu können. Dies sei Bestandteil baden-württembergischer Flüchtlingspolitik, dauere aber zugegebenermaßen oft zu lange.

Ebenso wie die Asylantragsverfahren: Eine BIP-Vertreterin hatte kritisiert, dass es sehr demotivierend sei, wenn Flüchtlinge nach zwei Jahren intensiver und erfolgreicher Bemühungen um Integration abgeschoben würden. „Integration ist doch gewollt. Wir Ehrenamtlichen investieren Arbeit, Zeit und Energie und viel Herzblut dafür – und dann ist plötzlich alles umsonst. Das ist frustrierend.“

„Wir müssen dafür sorgen, dass berechtigte Asylanträge schneller bearbeitet werden“, sah Kleinböck in der Dauer der Verfahren das eigentliche Problem. Diese sollten binnen drei Monaten abgeschlossen sein – die Realität sehe aber anders aus. Auch seien von den 2.000 Stellen, die der Bund zusätzlich schaffen wollte, um die Verfahren zu beschleunigen, tatsächlich gerade 300 besetzt.

„Bei 60.000 Flüchtlingen in Baden-Württemberg allein in diesem Jahr wird eine schnellere Prüfung jedoch unumgänglich werden, allein, weil wir die Kapazitäten gar nicht haben, so viele Menschen aufnehmen zu können“, so der Landtagsabgeordnete. Darüber hinaus müsse ein vernünftiges Zuwanderungsgesetz her, um gut ausgebildeten jungen Menschen zu ermöglichen, dass sie in Deutschland bleiben können. „Auch hier werden wir dranbleiben“, versprach er.

Nach der Diskussion besuchte die Gruppe noch den Plenarsaal, wo gerade eine Landtagssitzung lief – unter den Augen von Ministerpräsident Kretschmann. Thema: Griechenland. Und während der Rückfahrt wurde noch eifrig diskutiert über das „Football Match“ – und darüber, dass Kleinböck sich der Probleme annehmen will. Oder, um beim Bild zu bleiben: den Ball weiter im Spiel hält und zum Torerfolg kommt.

BürgerschaftlichesIntegrationsProjekt (BIP): Treffen/Sitzungen

Im BIP engagieren sich ehrenamtlich Menschen aus Hemsbach und Umgebung für die Integration von Flüchtlingen in unserer Stadt, die sich regelmäßig treffen. Die Sitzungen des BIP dienen dem Austausch und der Information dieser Ehrenamtlichen und der Neuentwicklung von Integrationskonzepten. Die Termine finden Sie jeweils aktuell im Veranstaltungskalender.

BIP-Filmprojekt am 22. Juli in der „Brennessel“: „Der schwarze Löwe“ – (nicht nur) Fußball verbindet

Hemsbach. Fred Gasser hat kein leichtes Leben. Er ist arbeitslos und im Nebenjob als Fußballtrainer des SV Heidfeld fehlen die Erfolgserlebnisse. Der Sponsor des unterklassigen Vereins macht nach einer Rekordniederlage Druck. Ein Bekannter vermittelt Fred die drei afrikanischen Asylwerber Lionel, Benjamin und Sam als Soforthilfe. Fred zeigt sich wenig zugeneigt...

MdL Kleinböck (SPD) lud BIP und Flüchtlinge nach Stuttgart ein: „Landtag is like a Football Match”

„Landtag is like a Football Match” – ein Vergleich, der nicht in jeder Hinsicht stimmen mag, aber von der Besucherbetreuerin sehr anschaulich gewählt war. Und zu dem sich jeder so seine Gedanken machen kann und auch machte, wie die Diskussionen im Bus während der Rückfahrt zeigten: Auf Einladung von Gerhard Kleinböck, dem Landtagsabgeordneten der SPD für den Wahlkreis Weinheim...

BIP organisierte Verkehrsschulung für Flüchtlinge: Licht im „Schilderwald“ deutscher Verkehrsregeln

Verbotsregelungen, Gebotsschilder… die Vielfalt der Verkehrsbeschilderung ist in Deutschland groß und bereitet deshalb oft Kopfzerbrechen über die richtige Verhaltensweise. Besonders schwierig ist die richtige Deutung der Regeln auch für die Flüchtlinge, welche neu bei uns ankommen. Das sahen auch die Ehrenamtlichen des BürgerschfatlichenIntegrationsProjektes (BIP) in Hemsbach...