Wahlscheinantrag zur Bundestagswahl 2017 für Hemsbach

Wahlscheinantrag zur Bundestagswahl 2017

„Ex-Hemsbacher“ Dieter Beisel aus Kanada zu Besuch: Jeden Monat „ein Stück Heimat“ vorm Kamin

Geschrieben von Heike Pressler am . Veröffentlicht in Aktuelles

Hemsbach/Kanada. Es sind so schöne wie seltene Treffen im Rathaus, und deshalb war die Überraschung für Bürgermeister Jürgen Kirchner umso größer, als vor einigen Tagen ein ehemaliger Schulfreund bei ihm an die Tür klopfte. Das an sich mag ja nichts Besonderes sein, hätte es sich nicht um Dieter Beisel gehandelt, der Ende des Jahres 1991 nach Kanada ausgewandert war. „Wir haben all die Jahre zwar immer auch Kontakt gehalten, aber ein persönlicher Besuch ist dann doch etwas anderes“, freute sich der Rathauschef sichtlich über das Wiedersehen. Der Ur-Hemsbacher und Wahlkanadier Beisel kam allerdings nicht ohne Anliegen: Er wollte Dank sagen – nämlich dafür, dass ihm die Stadt Hemsbach monatlich ein Paket zuschickt. Inhalt: jeweils die aktuellen Ausgaben des „Hemsbacher Stadt-Anzeigers“ und der „Hemsbacher Woche“.

„Ich bin zwar schon mein halbes Leben lang weg von hier, aber trotzdem immer auf dem Laufenden, was in Hemsbach passiert.“ Beisel lebt mit seiner Lebensgefährtin, einer gebürtigen Pfälzerin, knapp 8000 Kilometer Luftlinie von Hemsbach entfernt in der Nähe der 10.000-Einwohner-Stadt Quesnel in der Provinz British Columbia und betreibt eine eigene Physiotherapie-Praxis. Als leidenschaftlicher Pilot bietet er zudem mit seiner eigenen Maschine Charterflüge an.

Als Beisel, damals 27 Jahre alt, Hemsbach verließ, tat er das eher aus Abenteuerlust, weniger mit der Absicht, auf Dauer in Kanada zu leben: „Eigentlich wollten wir nur ein Jahr bleiben“, schmunzelt er, aber Land und Leute zogen das Paar in ihren Bann, und die beiden konnten auch relativ schnell Fuß fassen. Nach Hemsbach kommt Beisel dennoch mehr oder weniger regelmäßig – meist im Sommer zur Kerwezeit. Und die kalten Winterabende „mitten in der Wildnis“ verbringt er gerne am warmen Kamin – „mit einem Stück Heimat in der Hand.“ Dass er als ehemaliger BIZ-Schüler ganz besonders Anteil an der Schulentwicklung in Hemsbach nimmt, verwundert nicht.

Bürgermeister Kirchner freute sich über die positive Rückmeldung: „Gerade für ehemalige Hemsbacher, die weit weg wohnen, ist es sicherlich interessant, über das Geschehen in Hemsbach informiert zu bleiben. Dann ist man auch nicht allzu überrascht, wenn man mal wieder hierherkommt.“ Die Stadtverwaltung verschickt den Stadt-Anzeiger und die Hemsbacher Woche jeden Monat an 21 „Ehemalige“, die meisten davon leben in Übersee, sei es die USA, Kanada, Australien oder sogar Malaysia.

Begonnen hat diese Aktion vor 30 Jahren im Rahmen der Eröffnungsfeier der restaurierten Ehemaligen Synagoge. Mitglieder des Fördervereins Ehemalige Synagoge hatten im Vorfeld Kontakt zu emigrierten Hemsbacher Bürgerinnen und Bürgern jüdischen Glaubens aufgenommen, die während der Zeit des Nationalsozialismus aus Deutschland geflohen waren, und diese zur Feier eingeladen. Viele der Angeschriebenen und auch deren Nachkommen waren dieser Einladung gefolgt und hatten sich gewünscht, weiterhin über Hemsbach informiert zu werden.